Aufzugeben war nie eine Option

Maike Bennmann – Eigentümerin des Burghofs

Ein Freitag war’s, genauer gesagt: der Karfreitag 2007, als das erste Leben von Maike Bennmann endete. Das Datum ist das Einzige, was die heute 27-Jährige noch weiß von dem verhängnisvollen Motorradunfall. Den sie als Sozia auf dem Bike ihres damaligen Freundes miterlebte, als ihnen ein Auto die Vorfahrt nahm.

Naike Bennmann ist Geschäftsführerin des Burghofs: Klicken zum Vergrößern
Maike Bennmann ist Eigentümerin des Burghofs

Rund ein halbes Jahr später erwachte Maike aus dem Koma, und ihr zweites Leben begann. Ein Leben, das sie ihrem Kampfgeist und nicht zuletzt dem unbeirrten Engagement ihrer Familie verdankt. „Ohne die Zuwendung und Liebe meiner tollen Familie hätte ich es wohl nicht geschafft“, sagt Maike Bennmann. Die behandelnden Ärzte selbst waren pessimistisch, hielten ein Erwachen angesichts der gravierenden Verletzungen für unwahrscheinlich.

Ich wollte wieder aufwachen

Doch ihre Geschwister und ihre Eltern ließen sich davon nicht entmutigen, besuchten sie regelmäßig, wachten am Krankenbett, sprachen mit ihr, lasen ihr vor, spielten ihre Lieblingsmusik. „Selbst, wenn ich im Koma direkt nichts wahrgenommen habe: Ich habe irgendwie immer gespürt, dass jemand da ist, und da wollte ich wieder aufwachen“, erzählt die 27-Jährige.

Nachdem sie tatsächlich wieder wach war, noch dazu – ein Wunder – ohne geistige Beeinträchtigungen, begannen aber die eigentlichen Strapazen. Denn es schloss sich eine mehrjährige „Ochsentour“ durch verschiedene Spezialkliniken an. Maike Bennmann: „Ich musste alles neu lernen, sogar Sprechen und Essen.“ Immer wieder kam es zu gesundheitlichen und psychischen Rückschlägen, doch Aufgabe stand für die gebürtige Westfälin nie auf der Agenda. „Ich kann doch die Menschen, die mich lieben, nicht hängen lassen“, schmunzelt sie.

Rückschläge überwinden

Abgeschlossen ist der Therapiemarathon auch zuhause in Esens nicht, wo sie seit inzwischen rund einem halben Jahr wieder lebt. Regelmäßig stehen zum Beispiel Besuche bei Logopädin, Ergo- und Psychotherapeuten auf dem Plan. Doch das lässt sich jetzt zumeist ambulant bewerkstelligen. Zwar hat sie nach wie vor ihre Durchhänger, und auch Phasen, in denen sie heftige Phantomschmerzen quälen, doch dann ist immer jemand da, der sie neu motiviert, und es geht wieder weiter. Einen großen Schritt nach vorne bedeutet für sie ein neuer elektrischer Spezialrollstuhl, der gerade gefertigt wird. Das Gerät ist auch „straßentauglich“ und verschafft Maike mit der gewonnenen Mobilität einen weiteren Teil Selbstständigkeit zurück.

Neue Perspektive

Mit dem „Burghof“, der Pension, die ihre Mutter vor 25 Jahren eröffnete, dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist, eröffnete sich für sie eine zusätzliche, neue Perspektive. Der Bau, ein Gulf-Hof aus dem Jahr 1886, war in die Jahre gekommen. „Als ich das erste Mal wieder nach Hause kam, stellten wir fest, dass beispielsweise Türen und Durchgänge einfach zu schmal waren für meinen Rollstuhl“, so Maike Bennmann, seit 2011 Eigentümerin des Burghofs. Und da sowieso einiges zu machen war an dem Gebäude, stand bald der Entschluss, die ganze Pension gleich mit barrierefrei umzubauen, um das traditionelle Motto „Viel Platz zum Leben“ auch tatsächlich wieder mit Leben zu füllen.

Viel Platz zum Leben

Mit dem Umbau, der nach derzeitigen Planungen im Ostern 2014 abgeschlossen sein wird, bietet der Burghof neun große Zimmer, vier davon rollstuhlgerecht. Eines der Zimmer wird dazu mit modernster Technik ausgestattet sein, dass sich auch Schwerbehinderte gut aufgehoben fühlen können. Hell, luftig, offen, sind die Schlagworte, die die Architektur des neuen Burghofs am besten beschreiben. Das gestalterische Pendant zu dem frischen Wind, der mit Maike Bennmann eingezogen ist.

Maike und Anne Bennmann leiten das Burghof-Team: Klicken zum Vergrößern
Maike und Anne Bennmann leiten das Burghof-Team

So bietet das Haus Raum für Menschen mit und ohne Handicap. Geschäftsführerin der Pension wird Maikes Schwester Anne sein, die den Betrieb als Pächterin übernimmt. Maike Bennmann selbst wird erst einmal hinter den Kulissen tätig werden, im Büro des Burghofs beispielsweise oder bei der Betreuung der Online-Präsenzen der Pension. Doch möchte sie auch den direkten Kontakt zu den Gästen pflegen, und so ihren Teil zur Wohlfühlatmosphäre im Burghof beitragen.

Zwar ist nach wie vor viel Geduld angezeigt, doch die Dinge entwickeln sich vorwärts. Zunächst steht für Maike Bennmann jedenfalls der neue Rollstuhl auf dem Plan. „Dann werde ich wohl als erstes  mal wieder allein einen Bummel durch Esens machen“, freut sie sich. Genauso wie auf die Neueröffnung der Pension und die ersten Gäste im „Burghof“.

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