Das Harlingerland

Ein besonderer Flecken Erde

Streitbar und freiheitsliebend. So könnte man die Harlinger bezeichnen, wirft man einen kurzen Blick in die Geschichte jenes Landstrichs. Eine Region, die ungefähr von Westeraccum und Holtriem im Westen, Wittmund im Süden und Carolinensiel im Osten reichte, nördlich begrenzt durch das Meer.

Friesische Freiheit

Die Backsteinkirche von Funnix (Zum Vergrößern klicken)
Die Backsteinkirche von Funnix

Im Mittelalter gab es in Friesland keine traditionellen, feudalen Adelsstrukturen; die Friesen organisierten sich mit Segen des Kaisers genossenschaftlich: Jeder Bürger hatte beispielsweise das Wahlrecht und durfte öffentliche Vertreter seiner Gemeinde mitwählen. Doch ab dem 14. Jahrhundert gewannen wohlhabende Familien größeren Einfluss. Hinzu kamen Pestepidemien und Sturmfluten, dass den Bürgern die eigene Existenz näher lag als die Vorzüge der „Friesischen Freiheit“ zu verteidigen. Diese wurde durch das Häuptlingswesen abgelöst, in dem sich Adlige an die Spitze der Provinzen setzten, wobei allerdings die Freiheit der Bürger weitgehend erhalten blieb.

Unruhige Zeiten

Die Norderburg in Dornum (Zum Vergrößern klicken)
Die Norderburg in Dornum

Das Harlingerland bestand im Wesentlichen aus den im 15. Jahrhundert geeinten Herrschaften Esens, Wittmund und Stedesdorf. Unter seinen Häuptlingen verteidigten die Harlinger lange Zeit die Unabhängigkeit von den in Oldenburg residierenden ostfriesischen Grafen. Das Resultat waren unruhige 150 Jahre voller Kriegsgeschrei. Die Raufhändel erreichten ihre blutigen Höhepunkte mit Beginn des 16. Jahrhunderts während der Herrschaft der Esenser Häuptlinge Hero Omken und seines Sohns Balthasar von Esens. Das endgültige Ende des unabhängigen Harlingerlandes kam indes am „Grünen Tisch“, als im „Berumer Vergleich“ von 1600 das Gebiet Graf Enno von Oldenburg zugesprochen und damit Ostfriesland einverleibt wurde.

Malerische Landschaft

Der Hafen von Neuharlingersiel (Quelle: Zaubervogel, pixelio.de)
Der Hafen von Neuharlingersiel (Quelle: Zaubervogel, pixelio.de)

Heute umfasst das Harlingerland den gesamten Landkreis Wittmund. Wer das Gebiet und die angrenzenden Regionen durchstreift, findet kleine Orte, deren Geschichte zum Teil bis ins Mittelalter zurückreicht, malerische Häfen wie Neuharlingersiel oder Carolinensiel, prächtige Schlösser wie die Norderburg in Dornum. Wuchtige, jahrhundertealte Backsteinkirchen, massige Gehöfte, die wirken, als wären sie schon immer da gewesen, und teilweise liebevoll restaurierte Windmühlen prägen das Bild der Landschaft. In Holtriem liegt mit dem „Ewigen Meer“ sogar Deutschlands größter Hochmoorsee. Und überall ahnt man die Nähe der Nordsee, sei es in der Brise, die hier selten ruht, sei es im Geruch der Natur, der eigentlich immer auch eine Prise „Meer“ mit sich trägt. Einen Geruch, den man wahrnimmt, weil das Leben hier eine Spur langsamer zu laufen scheint.

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